Wenn Sonnenblumen auf Weltreise gehen

Von Bäckern, Bauern, Sonnenblumen – oder: Globalisierung mal andersrum

Gerade für biologische Lebensmittel gilt:

Die Herkunft spielt eine entscheidende Rolle, und erst recht der faire Preis.

Auf T-Shirts und Schuhen, auf Rasierapperaten und Nachttischlampen – es gibt nichts, wo’s nicht zu finden wäre: „Made in China“. Auch der Airbus kommt wohl demnächst von da geflogen – die Globalisierung schreitet voran, offensichtlich unaufhaltsam, und offensichtlich überall. Denn was für Kleidung und Elektrogeräte gilt, das ist nicht anders bei Lebensmitteln – und macht vor Bio-Sonnenblumenkernen auch nicht halt.

Machtlos ...?

Mehrere Jahre gab es keine heimischen Bio-Sonnenblumenkerne mehr: anfangs aus Osteuropa, später Argentinien, inzwischen praktisch nur noch aus China kam dieser Rohstoff, der für Bäckereien - nach Getreide und Mehl - zu den wichtigsten Zutaten gehört. Der Anbau von Speise-Sonnenblumen hier in der Region war still und leise eingeschlafen – scheinbar ohne Chance gegen die weitaus billigere Konkurrenz aus der Ferne, wo riesige Äcker von billigen Arbeitskräften bewirtschaftet werden. Und der weite, unökologische Transport kostet einfach nahezu nichts. Auch heute noch ist Energie einfach zu billig.

Das ging und geht vielen Bio-Bäckereien, die zum Teil schon seit Jahren die Regionalität der Rohstoffe groß auf ihre Fahnen geschrieben haben, gewaltig gegen den Strich – aber zuerst war da das Gefühl, machtlos zu sein gegen solche weltweiten Entwicklungen.

... oder gemeinsam?

Doch wo eine einzelne, kleine Bäckerei nichts ausrichtet, da kann eine ganze Gruppe sehr wohl etwas bewegen. Und so entstand Anfang 2006 im Bioland-Bäcker- Arbeitskreis Württemberg die Idee, diesem globalen Trend etwas entgegenzusetzen: Wenn sieben Bio-Bäckereien aus Kirchheim und Herrenberg, aus Laupheim und Reutlingen, aus Stuttgart, Illingen und Winnenden sagen: Wir kaufen unsere Sonnenblumenkerne von heimischen Bauern, und zwar zu einem fairen Preis – dann finden sich wieder Landwirte, die Sonnenblumenkerne anbauen.

Und so kam es, dass schon in diesem Frühjahr wieder Sonnenblumen für Bio-Sonnenblumenkerne auf württembergischen Ackern blühten. Und nun, kurz nach Erntedank, wurde die Ernte eingefahren, und es wird fleißig damit gebacken - die bewährten Produkte, aber auch viele neue Gebäcke.

Was ist eigentlich ein fairer Preis?

Da kann man schon mal schlucken, wenn man erfährt, dass die heimischen Bio-Sonnenblumen doppelt so teuer sind wie die aus China. Und so kann das Kilo Sonnenblumenbrot schon mal 10 Cent teurer werden. „Wenn die Leute den Sinn dahinter sehen, dann sind sie durchaus bereit, mehr zu zahlen“, sind die Bäcker und Bäckerinnen der „Sonnenblumen-Offensive“ zuversichtlich - und sind sich doch im klaren, dass die höheren Rohstoffkosten durchaus nicht immer „ungebremst“ weitergegeben werden können.

 

Eine Idee zieht Kreise

Die Pläne für nächstes Jahr stehen schon. Und es klopfen schon weitere Bäckereien an, bis hoch nach Norddeutschland, die ebenfalls Interesse haben an diesem Projekt. Und so ist Franz Schmid von der Organisch-Biologischen Erzeugergemeinschaft Hohenlohe, wo der Anbau koordiniert und die Kerne mit einer speziellen Anlage geschält und gereinigt wurden, recht zuversichtlich, dass sich die heimischen Bio-Sonnenblumen wieder etablieren werden, auf Dauer – und auf einer neuen Basis: auf einer Basis, wo auch andere Werte zählen als nur der kalte Preis.

In Mark und Pfennig lässt sich eben nicht ausdrücken, was das wert ist: Landwirtschaft mit kleinen Feldern, die nur aufwändig zu bestellen sind. Eine solche Landwirtschaft ist (noch) typisch für Süddeutschland, und sie hat zu einer Kulturlandschaft geführt, die auch noch Platz für Nischen und für Vielfalt lässt - ganz im Gegensatz zu riesigen, effizient zu bewirtschaftenden Äckern, wie sie leider auch im Bio-Bereich immer mehr Einzug halten.

Wer nur die die Effizienz im Auge hat, wird Bio zu Tode rationalisieren.

Den Bäckern und Bäckerinnen der „Sonnenblumen-Initiative“ jedenfalls war dies ein Antrieb, und natürlich hoffen sie, mit ihrem Projekt etwas auf den Weg gebracht zu haben, was Bestand hat, und was durchaus auch zu einer Erfolgsgeschichte für andere Rohstoffe in der Backstube werden könnte: Leinsaat etwa, oder Kürbiskerne, das könnten die nächsten Kandidaten sein ...

 

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Letzte Änderung: Donnerstag, 11.09.2014   |   Erstellt von TYPO3-Beratung.com, Nürtingen/Winnenden/Rems-Murr-Kreis